Leichte Rotweine: Sorten, Weingüter und wie man sie gekühlt genießt

Video: „Rotweine im Sommer – WeinEntdeckerWissen OnlineSeminar” vom Kanal Wines of Germany (Deutsches Weininstitut). Das Video stammt nicht von uns. Wir stellen es hier redaktionell vor, alle Rechte liegen beim Kanal.
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Redaktionell bereinigtes Transkript des oben eingebundenen Videos von Wines of Germany (Deutsches Weininstitut). Grundlage sind die automatisch erzeugten Untertitel; Formulierungen wurden zur Lesbarkeit behutsam geglättet, Sprecherzuordnungen in eckigen Klammern ergänzt und der Text nach Themenblöcken gegliedert. Das rund 91-minütige Online-Seminar wurde dabei um Begrüßungs-, Technik- und Organisationspassagen gekürzt und die Diskussion sprachlich gestrafft, ohne Aussagen zu verändern. Einzelne Passagen können vom gesprochenen Wort abweichen. Es sprechen der Moderator Andreas (Deutsches Weininstitut), die Referentin Romana Echensperger (Master of Wine), sowie die Winzer Lisa Waßmer (Weingut Fritz Waßmer, Baden), Rainer Schnaitmann (Württemberg) und Sascha Montigny (Nahe).

[Einführung: Rotwein für den Sommer]

[Andreas] Einen wunderschönen guten Abend zusammen. Die Sonne scheint, der Frühling ist da, und das passt zu unserem heutigen Thema: Rotweine für den Sommer. Bei uns sind Romana Echensperger, Master of Wine, und drei Winzer: Lisa Waßmer aus Baden, Sascha Montigny von der Nahe und Rainer Schnaitmann aus Württemberg. Im Weinpaket sind drei Weine, die alle wenig Gerbstoff und moderaten Alkohol haben, ohne Barrique ausgebaut sind und leicht gekühlt serviert werden können: ein Spätburgunder, ein Trollinger und ein Merlot.

[Romana] Vielen Dank. Ein Trend in der Weinbranche geht klar zum Weißwein, Rotwein wird etwas weniger getrunken. Ein Grund dafür ist die Temperatur: Offener Rotwein wird in der Gastronomie oft viel zu warm serviert, im Schnitt um 24 Grad. Wenn es draußen heiß ist und man so einen warmen Rotwein bekommt, ist das eine echte Herausforderung.

[Was bedeutet Trinktemperatur? Warum leicht gekühlt?]

[Romana] Was viele als Raumtemperatur empfinden, liegt oft zwischen 20 und 23 Grad, das ist für Rotwein zu warm. Im Weingeschäft geht man von 16 bis 18 Grad aus, also leicht gekühlt. Was passiert beim Kühlen? Der Gerbstoff kommt kräftiger zum Tragen, deshalb würde ich einen sehr jungen, kräftigen Bordeaux nicht gekühlt servieren. Aber bei Rebsorten mit wenig Gerbstoff wirkt die Kühlung positiv: Die Säure kommt frischer heraus, die Frucht wirkt intensiver und der Alkohol erscheint leichter. Bei 24 Grad und 13,5 bis 14 Volumenprozent hat man dagegen schnell das Gefühl, der Alkohol werde einem intravenös verabreicht. Auch eine eventuelle Restsüße wirkt gekühlt weniger dominant.

[Der Dekantier-Mythos: einfach morgens öffnen]

[Romana] Beim Rotwein wird oft diskutiert, ob man dekantieren muss oder nicht. Da wäre etwas Entspannung angesagt. Mein Kollege Ulli Sauter vom Falstaff hat getestet: Ob weiß, rot oder ein hochwertiger Rosé, die besten Ergebnisse gibt es, wenn man den Wein, den man abends trinken möchte, schon am Morgen öffnet. Einfach aufmachen, einen kleinen Schluck nehmen, um zu prüfen, ob er korkt, und dann stehen lassen. Diese Luft reicht, damit sich der Wein optimal entwickelt. Und mit einem etwas größeren Glas, in dem man den Wein schwenkt, gibt man ihm ohnehin Zeit.

[Qualität ist nicht gleich Konzentration]

[Romana] In der Weinkritik gab es lange die Tendenz, gerade sehr kräftige Weine hoch zu bewerten, Qualität also mit Konzentration gleichzusetzen. Das ändert sich zum Glück. Man sollte die Qualität eines Rotweins nicht nur an Farbe, Dichte und Fülle messen, sondern auch an seiner Finesse. Es gibt so tolle Rotweine, die leichtfüßig daherkommen, trotzdem komplex sind und im Sommer viel Spaß machen.

[Interview Lisa Waßmer: Spätburgunder aus Baden]

[Romana] Lisa, wo sitzt ihr mit eurem Weingut?

[Lisa] Wir liegen ganz im Süden, im Markgräflerland bei Bad Krozingen, grenzen an die Schweiz und Frankreich. Unsere Lagen für den Spätburgunder sind aber vor allem im Breisgau, nördlich von Freiburg, mit sehr besonderen Böden und klimatischen Verhältnissen. Der Spätburgunder ist unsere Leitrebsorte, über 50 Prozent der Fläche. Als mein Vater das Weingut 1998 gegründet hat, waren es sogar 100 Prozent.

[Romana] Warum hat Spätburgunder oft eine so helle Farbe?

[Lisa] Das ist die Rebsorte selbst. Spätburgunder, auf Französisch Pinot Noir, ist die Königsdisziplin unter den Rebsorten, er braucht viel Fingerspitzengefühl. Von der Genetik her hat er wenig Farbstoffe und wenig Gerbstoff, er geht ins Helle und ergibt einen leichteren Typus. Zum Spätburgunder gehört immer ein feines Säurerückgrat, ein frischer Kick. Wenn man ihn kühl trinken möchte, sollte er harmonisch sein, mit weicher Gerbstoffstruktur und moderatem Alkohol, für mich unter 13 Volumenprozent.

[Romana] Sind alle eure Weine für lange Reife gemacht?

[Lisa] Nein, wir haben eine Qualitätspyramide. Die Basis ist der Gutswein, unseren Gutswein-Spätburgunder empfehle ich innerhalb der nächsten drei Jahre zu trinken, aktuell ist der Jahrgang 2023 im Verkauf. Er ist harmonisch, mit feiner Gerbstoffstruktur und schöner Frucht, und bis er auf die Flasche kommt, reift er schon zwölf Monate im Barrique, ist also praktisch trinkfertig. Die Reserveweine haben einen Rahmen von etwa fünf Jahren. Interessant für die lange Reife sind die Lagenweine, unsere großen Gewächse. Alle unsere Rotweine sind im Barrique ausgebaut, der Gutswein aber in schon mehrfach belegten Fässern, damit der Holzeinfluss gering bleibt und der Wein leicht und fruchtig wirkt.

[Romana] Welche Temperatur empfiehlst du, und passt der Spätburgunder in den Sommer?

[Lisa] So um 16 Grad. Ich würde es aber nicht zu kompliziert machen: eine Kühlmanschette drum, oder die Flasche ein, zwei Stunden in den Kühlschrank, und lieber etwas zu kühl servieren, weil der Wein von selbst warm wird. Ein Sommer-Spätburgunder darf jung sein, so zwei Jahre, dann hat er das Ungestüme abgelegt. Und ein leicht gekühlter Spätburgunder zu gegrilltem Fisch, etwa Lachs vom Holzkohlegrill, ist wirklich großartig. Diesen Tipp haben wir vor zehn Jahren von unserem dänischen Händler bekommen.

[Weinbereitung: wie entstehen leichtere Rotweine?]

[Romana] Wie erzeugt ein Winzer Rotweine, die eher auf der leichten Seite sind? Da gibt es viele Stellschrauben. Es beginnt beim Lesezeitpunkt: Definiere ich Reife so, dass die Trauben fast überreif sind, oder so, dass sie noch Frische haben? Dann geht es darum, ob man das Stielgerüst entfernt oder nicht. Am meisten Einfluss hat die Vergärung. Über die Gärtemperatur bestimmt man die Richtung: Kühl vergoren, etwa bei 25 Grad, wird der Wein fruchtbetonter; für einen kräftigen, lagerfähigen Spätburgunder geht man auf 32 bis 35 Grad, weil mit der Temperatur mehr Gerbstoff aus den Schalen extrahiert wird. Auch beim Untertauchen der Schalen entscheidet die Sanftheit: kräftiges mechanisches Unterstoßen ergibt mehr Gerbstoff, sanftes Überschwallen mit Saft einen weicheren. Und die Maischestandzeit: Für einen Wein, der 20 Jahre reifen soll, kann sie drei bis vier Wochen dauern, für einen Gutswein reichen zwei Wochen. Beim Ausbau gibt großes, gebrauchtes Holz kaum Gerbstoff und lässt den Wein in der Frucht, kleine Barriques machen ihn kräftiger.

[Deutsche Rotweinsorten im Überblick]

[Romana] Die wichtigste deutsche Rotweinsorte ist der Spätburgunder, französisch Pinot Noir. Deutschland ist der drittgrößte Pinot-Noir-Erzeuger der Welt nach Frankreich und den USA. Weit verbreitet ist der Dornfelder, eine Rebsorte, die gut gemacht unglaublich charmante, saftige Weine ergibt, die es mit jedem einfachen italienischen Rotwein aufnehmen. Portugieser ist heute vor allem für Rosé interessant. Dann Trollinger und der großartige Lemberger, den man in Österreich als Blaufränkisch und in Ungarn als Kékfrankos kennt. Schwarzriesling wird oft zu Schaumwein verarbeitet, Regent klingt etwas ab. Was wirklich kommt, ist der Merlot; durch den Klimawandel reifen auch Cabernet Sauvignon und Syrah. Rotwein wächst vor allem im Süden, in Württemberg, der Pfalz und in Baden, das mit rund 5000 Hektar die größte Spätburgunderregion ist. Ein Highlight ist die Ahr, ein kleiner, warmer Schiefer-Canyon mit fantastischem Spät- und Frühburgunder.

[Interview Rainer Schnaitmann: Trollinger neu gedacht]

[Romana] Reiner, du kommst aus Fellbach in Württemberg und hast dort viel Trollinger vorgefunden.

[Reiner] Ja, wir sind ein Familienweingut mit 25 Hektar, ich habe 1997 angefangen, selbst Wein mit eigenem Etikett zu machen. Württemberg war lange genossenschaftlich geprägt und mit dem Trollinger sehr erfolgreich, aber über hohe Erträge. Genau das wollen wir heute nicht mehr trinken. Ich habe viel ausprobiert und mit Ertragsreduktion und sanfter Extraktion gearbeitet. Heute machen wir sogar Ganztraubengärung beim Trollinger: Die Trauben kommen ganz in den Gärbehälter, wir gehen sehr sanft damit um, holen unten den Saft heraus und verteilen ihn oben wieder, drei, vier Mal am Tag. Weil wir die Beeren nicht zerdrücken, geht die Farbe am Anfang nicht kaputt.

[Reiner] Trollinger ist sehr dünnhäutig, hat große Beeren und wenig Farbe, dazu blaue Farbstoffe, die schneller oxidieren. Diese modernen Trollinger haben oft nur 10 bis 11 Volumenprozent, das ist ein riesiger Vorteil. Man muss sie kühl trinken, ruhig aus dem Kühlschrank. Ich schwefele den Trollinger fast gar nicht mehr, das ist eine Stilfrage, und ohne Schwefel schmeckt er mir besser. Für hochwertige Lagerweine wie Riesling ist Schwefel dagegen keine Frage. Ob Trollinger überhaupt ein klassischer Rotwein ist? Für mich etwas dazwischen, aber das ist völlig egal, Hauptsache er schmeckt. Er ist ein wahnsinnig lebendiger, animierender Typ Wein, ein richtiges Hallo-wach, kein müde machender Rotwein. Klassisch trinken wir ihn zu Maultaschen, eher vegetarisch mit Spinat, und Kartoffelsalat, sehr schwäbisch, aber es passt super. Ich empfehle ein Burgunderglas und bitte wirklich kalt einschenken.

[Reiner] Auch mit dem Lemberger arbeiten wir gerade an leichteren, fruchtbetonten Weinen, mit weniger Extraktion, altem Holz und teils ganzen Trauben, um die Saftigkeit herauszubringen. Schon bei 11 bis 12 Volumenprozent ist die Reife da. Im Weinberg ist der Trollinger übrigens das Schwierigste, was es gibt: dünne Schale, empfindlich, er verträgt weder große Hitze noch direkte Sonne.

[Interview Sascha Montigny: Klimawandel und neue Rotweine an der Nahe]

[Romana] Sascha, die Nahe gilt als Cool-Climate-Region, und du pflanzt viel Rotwein. Wie kommt das?

[Sascha] Unser Weingut liegt an der unteren Nahe, auf halbem Weg zwischen Bingen und Bad Kreuznach, schon in einer warmen Ecke nahe am Rhein. Meine Eltern sind über die Rebveredlung zum Spätburgunder gekommen. Heute haben wir etwa 50 Prozent rote Sorten, für die Nahe ungewöhnlich. Hauptsorte ist der Spätburgunder, weil er so viele Facetten hat, vom leichten Sommerwein bis zum Begleiter kräftiger Menüs, dazu Rosé und Sekt.

[Sascha] Merlot haben wir vor 10 bis 15 Jahren als Ersatz für den Frühburgunder gepflanzt. Der Frühburgunder reift, wie der Name sagt, sehr früh, und in den heißen Sommern macht das zunehmend Schwierigkeiten. Jede Rebsorte hat einen bestimmten Wärmebedarf. Wenn deutlich mehr Energie da ist als nötig, reift die Traube zu schnell, und das ist aromatisch schlecht. Rote Trauben sind die großen Gewinner des Klimawandels, aber gleichzeitig empfindlicher, etwa wenn sie der Sonne exponiert sind oder Schädlinge und Feuchtigkeit dazukommen. Je später eine Sorte reift, desto einfacher wird es, deshalb sind wir mit Spätburgunder und Merlot besser dran; zwischen Frühburgunder und Merlot liegen in der Ernte drei bis vier Wochen.

[Sascha] Beim Merlot unterscheiden wir nach Holzfasstyp. Ein fruchtbetonter Wein, bei dem das Tannin nicht im Vordergrund steht, braucht kein kleines Fass, sondern reift im großen Stück- oder Doppelstückfass. Das Holzfass hat zwei Einflüsse: die Stoffe aus dem Holz und den Sauerstoff. Je kleiner das Fass, desto größer die Oberfläche im Verhältnis zum Inhalt und desto mehr Sauerstoff. Sauerstoff lässt die Gerbstoffe polymerisieren: Die Tanninmoleküle werden langkettig und größer, passen nicht mehr in die Rezeptoren im Mund und wirken dann nicht mehr adstringierend, sondern geben Fülle. Unsere ältesten Fässer sind fast 100 Jahre alt, sie geben keinen Holzgeschmack mehr, aber weiterhin Sauerstoff.

[Sascha] Zum Servieren: Leichte Rotweine trinke ich wirklich gekühlt aus dem Kühlschrank. Stellt eure Rotweinflasche vorher in den Kühlschrank, nach dem Öffnen wieder rein, am nächsten Tag herausholen. Beim Grillabend hole ich auch den Rotwein wie die Zutaten rechtzeitig heraus, damit er antemperiert. In der Gastronomie wünsche ich mir, dass offene Rotweine bei etwa 16 Grad stehen, nicht stiefmütterlich warm auf der Theke.

[Rotwein richtig servieren: Praxistipps]

[Romana] Ich bin selbst eher Rotweintrinkerin und helfe mir gern mit einer Kühlmanschette. Wenn wir wissen, was wir abends kochen, öffne ich die Flasche schon morgens, das ist manchmal erstaunlich, wie toll sich der Wein dann präsentiert. Karaffieren tue ich kaum noch, ich finde es schöner, wenn sich die Weine im Glas entwickeln. Dazu ein schönes großes Glas. Die Rotweinwelt ist so vielfältig, dass man den Blick weiten sollte: Merlot, Trollinger und Spätburgunder in unterschiedlichen Qualitätsstufen, für jeden ist etwas dabei. Man muss nur mutig sein.

[Fazit]

[Andreas] Ich bin eigentlich jemand, der im Sommer eher Weißwein trinkt, aber ich werde das definitiv probieren. Und den Tipp von Sascha, immer eine Flasche Rotwein im Kühlschrank zu haben, werde ich beherzigen.

Was das Seminar über leichte Rotweine im Sommer zeigt

In diesem rund 91-minütigen Online-Seminar des Kanals Wines of Germany (Deutsches Weininstitut) erklärt Master of Wine Romana Echensperger gemeinsam mit drei Winzern, warum leichte Rotweine perfekt in den Sommer passen, wenn man sie leicht gekühlt serviert. Wir fassen die Inhalte des Videos hier zusammen und ergänzen an einzelnen Stellen gut belegte Hintergrundinfos, damit die Seite auch beim Nachlesen weiterhilft. Mehr Grundlagen findest du in unserem Weinwissen.

Was leichte Rotweine ausmacht

Leichte Rotweine haben wenig Gerbstoff, moderaten Alkohol (oft unter 13 Volumenprozent) und setzen auf Frucht und Frische statt auf Konzentration. Sie sind meist nicht oder nur zurückhaltend im kleinen Barrique ausgebaut. Genau diese Weine gewinnen leicht gekühlt, weil die Frucht klarer hervortritt und der Alkohol weniger dominant wirkt. Ein wichtiger Gedanke aus dem Seminar: Qualität ist nicht dasselbe wie Konzentration, auch leichtfüßige Rotweine können komplex und spannend sein.

Leichte Rotweine: diese Rebsorten eignen sich

Das Seminar dreht sich um deutsche Rotweine. Ergänzend zum Video haben wir die genannten Sorten zu einem ausführlichen Überblick geordnet: Für jede Sorte findest du den typischen Charakter, warum sie als leichter Rotwein taugt, in welchen Weinbaugebieten sie zu Hause ist und einige bekannte Weingüter als Startpunkt für die eigene Entdeckungsreise. Wo diese Sorten wachsen, zeigt auch unsere Übersicht der Weinanbaugebiete in Deutschland. Die genannten Weingüter sind Beispiele bekannter Erzeuger, keine vollständige Rangliste, und die Verfügbarkeit einzelner Weine wechselt mit dem Jahrgang.

Spätburgunder (Pinot Noir): elegant und von Natur aus leicht

Der Spätburgunder ist die deutsche Rotwein-Leitrebsorte und der Inbegriff des feinen, leichten Rotweins. Er hat von Natur aus wenig Farbstoffe und wenig Gerbstoff, dazu ein frisches Säurerückgrat und Aromen von Erdbeere, Kirsche und Himbeere. Als Gutswein oder Ortswein ausgebaut ist er saftig, elegant und leicht gekühlt ein wunderbarer Begleiter zu gegrilltem Fisch oder hellem Fleisch.

Weinbaugebiete: Baden ist mit rund 5000 Hektar die größte Spätburgunderregion, allen voran der Kaiserstuhl und der Breisgau; dazu die Ahr als deutsches Rotweinparadies, die Pfalz, Rheinhessen, Württemberg und Franken. Bekannte Weingüter: in Baden Bernhard Huber (Malterdingen), Dr. Heger und Salwey (Kaiserstuhl) sowie Fritz Waßmer (Markgräflerland, im Video zu Gast); an der Ahr Meyer-Näkel und Jean Stodden; in der Pfalz Friedrich Becker.

Trollinger: der leichte Klassiker aus Württemberg

Trollinger ist die württembergische Spezialität schlechthin. Die Rebsorte ist dünnhäutig, hat große Beeren und wenig Farbe und ergibt mit oft nur 10 bis 11 Volumenprozent besonders leichte Weine. Modern ausgebaut, mit sanfter Extraktion und wenig Schwefel, ist er ein lebendiger, animierender Wein mit feinem Gerbstoff, der gut gekühlt aus dem Kühlschrank am meisten Spaß macht. Klassisch passt er zu Maultaschen und Kartoffelsalat.

Weinbaugebiete: fast ausschließlich Württemberg, besonders das Remstal sowie der Strom- und Heuchelberg. Bekannte Weingüter: Rainer Schnaitmann (Fellbach, im Video zu Gast), Aldinger (Fellbach) und die Ellwanger-Weingüter im Remstal, die maßgeblich am Imagewandel des Trollingers beteiligt sind.

Lemberger (Blaufränkisch): saftig, würzig und vielseitig

Der Lemberger, in Österreich als Blaufränkisch und in Ungarn als Kékfrankos bekannt, ist eine der spannendsten deutschen Rotweinsorten. Über 90 Prozent des deutschen Lembergers wachsen in Württemberg. Mit weniger Extraktion, altem Holz und teils ganzen Trauben ausgebaut, ergibt er saftige, fruchtbetonte Weine, die schon bei 11 bis 12 Volumenprozent reif und leicht sind, aber auch kräftige Spitzenweine hervorbringen können.

Weinbaugebiete: vor allem Württemberg (Neckartal, Muschelkalk- und Keuperböden). Bekannte Weingüter: Aldinger und Rainer Schnaitmann (beide Fellbach) sowie das VDP-Weingut Graf Adelmann gelten als Württemberger Spitze für Lemberger.

Merlot: weich und fruchtig, auch aus Deutschland

Merlot ist durch den Klimawandel längst auch in Deutschland zu Hause. Die Sorte reift spät, was in heißen Sommern ein Vorteil ist, und liefert weiche, fruchtige Weine mit rundem Gerbstoff. Aus großem, altem Holzfass ausgebaut bleibt der Merlot fruchtig und leicht statt schwer und wuchtig, ideal also für den gekühlten Genuss.

Weinbaugebiete: vor allem die Pfalz und Rheinhessen, dazu Baden, Württemberg und die (untere) Nahe. Bekannte Weingüter: in der Pfalz Markus Schneider und Lergenmüller, an der Nahe Sascha Montigny (im Video zu Gast).

St. Laurent: samtig mit dunkler Beerenfrucht

Der St. Laurent ist mit dem Spätburgunder verwandt und ergibt samtige, vollmundige Weine mit dunkler Beerenaromatik und weichem Tannin. In den 1960er-Jahren war die alte Sorte fast verschwunden, heute ist sie ein charaktervoller, leicht bis mittelkräftiger Rotwein, der gekühlt viel Freude macht.

Weinbaugebiete: vor allem die Pfalz, dazu Rheinhessen und die Nahe. Bekannte Weingüter: Knipser (Laumersheim, Pfalz) zählt zu den St.-Laurent-Spezialisten, an der Nahe baut ihn Sascha Montigny (im Video zu Gast) als Signature-Wein aus.

Weitere leichte Rotweine: Portugieser, Schwarzriesling und Dornfelder

Neben den großen Namen lohnt der Blick auf drei unkomplizierte Sorten. Portugieser ist ein sehr leichter, unkomplizierter Rotwein aus der Pfalz und Rheinhessen, der auch fruchtige Rosés liefert. Schwarzriesling (auch Müllerrebe genannt) ergibt in Württemberg helle, feine Rotweine und dient oft als Basis für Sekt. Der Dornfelder hat eine dunkle Farbe, ist aber mit moderatem Ertrag gut gemacht ein charmanter, saftiger Rotwein, der es mit vielen einfachen italienischen Rotweinen aufnimmt; die besten kommen aus ambitionierten Familienweingütern und Genossenschaften der Pfalz und Rheinhessen. Ebenfalls interessant, wenn auch selten, ist der früh reifende Frühburgunder, vor allem von der Ahr.

Leichte Rotweine richtig servieren: leicht gekühlt genießen

Die richtige Temperatur ist der Schlüssel. Romana Echensperger nennt im Video die Richtwerte, ergänzend haben wir die gängigen Trinktemperaturen aus der Weinberatung eingeordnet.

  • Trinktemperatur: leichte Rotweine schmecken bei etwa 12 bis 16 Grad am besten. „Raumtemperatur” von 20 bis 23 Grad ist für Rotwein zu warm; im Restaurant serviert man offenen Rotwein oft bei rund 24 Grad, das ist deutlich zu warm.
  • Was die Kühlung bewirkt: Frucht und Säure wirken frischer und klarer, der Alkohol tritt zurück, eine eventuelle Restsüße wirkt weniger dominant. Nur der Gerbstoff kommt kräftiger heraus, deshalb eignen sich vor allem gerbstoffarme Rotweine zum Kühlen.
  • So kühlst du richtig: die Flasche ein bis zwei Stunden in den Kühlschrank oder eine Kühlmanschette verwenden. Lieber etwas zu kühl servieren, denn im Glas wird der Wein von selbst schnell wärmer.
  • Das passende Glas: ein Burgunderglas, nicht zu klein, damit sich die Frucht entfalten kann.

Häufige Fragen zu leichten Rotweinen im Sommer

Kann man Rotwein kühlen, oder ist das ein Fehler?

Leichte Rotweine kann und sollte man kühlen. Der alte Grundsatz, Rotwein trinke man bei Raumtemperatur, stammt aus einer Zeit deutlich kühlerer Wohnräume. Bei gerbstoffarmen, fruchtigen Rotweinen bringt die Kühlung Frucht und Frische zur Geltung. Praktisch heißt das: die Flasche vor dem Servieren in den Kühlschrank stellen und lieber etwas zu kühl einschenken. Nur sehr junge, kräftige und tanninreiche Rotweine wie ein junger Bordeaux profitieren nicht davon.

Welche Temperatur ist für leichte Rotweine ideal?

Etwa 12 bis 16 Grad. „Raumtemperatur” ist für Rotwein zu warm, im Weingeschäft gelten 16 bis 18 Grad als Obergrenze für kräftigere Rotweine, leichte Sorten dürfen kühler sein. Wer es genau nehmen will, misst kurz mit einem Thermometer, muss sich aber keinen Stress machen: Eine Kühlmanschette und lieber etwas zu kühl einschenken reichen völlig, weil der Wein im Glas ohnehin wärmer wird.

Muss man leichten Rotwein dekantieren?

Meist nicht. Ein einfacher, entspannter Trick: den Wein, den du abends trinken möchtest, schon am Morgen öffnen, einen kleinen Schluck nehmen, um zu prüfen, ob er korkt, und die Flasche dann stehen lassen. Diese Luft reicht, damit sich der Wein entwickelt. Mit einem etwas größeren Glas, in dem du den Wein schwenkst, gibst du ihm zusätzlich Zeit. Karaffieren ist bei leichten Sommerrotweinen selten nötig.

Welcher Rotwein passt zum Grillen und zu Sommergerichten?

Leicht gekühlte, fruchtige Rotweine sind ideale Sommerbegleiter. Ein leicht gekühlter Spätburgunder passt hervorragend zu gegrilltem Fisch wie Lachs vom Holzkohlegrill. Trollinger ist der schwäbische Klassiker zu Maultaschen und Kartoffelsalat, und ein leichter Spätburgunder harmoniert sogar mit Sushi. Wichtig ist weniger die Hauptzutat als die Zubereitung: Zu Gegrilltem und leichter Alltagsküche macht ein kühler, saftiger Rotwein viel Freude.

Warum ist Spätburgunder so hell?

Das liegt an der Rebsorte selbst: Spätburgunder hat von Natur aus wenig Farbstoffe (Anthocyane) und eine eher dünne Beerenhaut. Rebsorten wie Syrah haben sehr viel Farbe, Spätburgunder dagegen genetisch wenig, deshalb wirkt er hell und gilt als leichterer, feiner Typus. Die helle Farbe ist also kein Qualitätsmangel, sondern ein Sortenmerkmal.