Weinbaugebiet Nahe: Böden, Rebsorten und die schönsten Weinorte

Video: „NAHE – WeinEntdeckerWissen OnlineSeminar Deutschlands Weinregionen“ vom Kanal Deutsches Weininstitut (DWI), veröffentlicht am 3. September 2021. Das Video stammt nicht von uns. Wir stellen es hier redaktionell vor, alle Rechte liegen beim Kanal.

Die Nahe ist eines der kleineren deutschen Anbaugebiete und gleichzeitig eines der spannendsten. Auf gut 4.200 Hektar treffen mehr Bodenarten aufeinander als in jeder anderen deutschen Weinregion, und der Riesling macht diese Unterschiede hörbar deutlich. In einem gut anderthalbstündigen Online-Seminar des Deutschen Weininstituts führt Master of Wine Romana Echensperger durch das Gebiet, gemeinsam mit einer Winzerin, einer Sommelière und der Geschäftsführerin der regionalen Touristik. Wir fassen die Inhalte des Videos hier zusammen und ergänzen sie um aktuell recherchierte Informationen zu Weingütern, Weinorten und Reiseplanung.

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Redaktionell bereinigtes Transkript des oben eingebundenen Videos von Deutsches Weininstitut (DWI). Grundlage sind die automatisch erzeugten Untertitel; Formulierungen wurden zur Lesbarkeit behutsam geglättet, Sprecherzuordnungen in eckigen Klammern ergänzt und das Gespräch um Begrüßungs-, Technik- und Organisationspassagen sowie um Chatmeldungen gekürzt. Einzelne Passagen können vom gesprochenen Wort abweichen.

[Einspieler zu Beginn]

Das Weinbaugebiet Nahe liegt in Rheinland-Pfalz, geschützt vom Hunsrück, im Tal der Nahe und ihrer Nebenflüsse Glan und Alsenz. Eine Gegend, so facettenreich wie ein Edelstein: landschaftliche Superlative entlang der Naheweinstraße, der Rotenfels als größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien, Kurstädte, die der Seele schmeicheln, und die Edelsteinmetropole Idar-Oberstein. Die Nahe ist ein kleines Gebiet, und das macht sie interessant: Es beginnt mit Porphyrgestein vulkanischen Ursprungs, dazu kommen Quarzit, Ton und Mergel. Man vermutet hier 180 verschiedene Böden, diese Vielfalt und Dichte ist deutschlandweit einzigartig. Der Riesling bringt die Unterschiede hervor, je nachdem, auf welchem Gestein er gewachsen ist. Diese Vielfalt muss man selbst erleben.

[Begrüßung und Runde]

[Michaela Nübling, DWI] Herzlich willkommen zum ersten Donnerstag im September. Heute steht die Nahe auf dem Programm. Ich freue mich sehr, Romana Echensperger, Master of Wine, begrüßen zu dürfen. Außerdem dabei: Katja Hilt von der Naheland-Touristik, Julia Fluhr vom Restaurant Hermannshöhle und Rebecca Crusius vom Weingut Dr. Crusius. Für alle, die zum ersten Mal dabei sind: Es gibt unterschiedliche Weinpakete, in jedem Paket sind Riesling, Sauvignon Blanc und Grauburgunder von der Nahe.

[Romana Echensperger] Ich bin aus Südtirol zugeschaltet und freue mich, heute Nahewein im Glas zu haben. Ich bin Master of Wine, war aber lange Zeit als Sommelière in verschiedenen Spitzenrestaurants tätig und habe die Nahe dabei kennengelernt. Ich bin schon einige Jahre in der Weinbranche und war öfter an der Nahe zu Gast.

[Lage, Klima und Größe]

[Romana Echensperger] Die Nahe liegt im Westen Deutschlands, eingerahmt vom Rheingau und von Rheinhessen, und ist von der Mosel durch den Hunsrück getrennt. Der Hunsrück ist ganz wichtig für Klima und Bodentypen: Er schützt die Nahe vor Wind und Regeneinflüssen aus westlicher und nordwestlicher Richtung. Deshalb ist die Nahe eines der trockensten Weinbaugebiete Deutschlands, im Durchschnitt sind es etwa 500 Millimeter Niederschlag.

Wir haben rund 4.230 Hektar Rebfläche. Es gibt Anbaugebiete, die deutlich größer sind, das benachbarte Rheinhessen zum Beispiel. Trotzdem ist die Nahe sehr bekannt, weil der Riesling hier große Bedeutung hat: Fast dreißig Prozent der Rebfläche sind mit Riesling bestockt. Ich bin viel im Ausland unterwegs, und auf den Exportmärkten hat die Nahe immer einen großen Platz. Das liegt an den berühmten Riesling-Weingütern. Die Nahe ist im Bewusstsein der Leute als Spitzenregion für erstklassigen Riesling und für einen ganz besonderen Riesling-Stil verankert. Aber es gibt an der Nahe mehr zu entdecken als Riesling.

[Geologie und Böden]

[Romana Echensperger] Geologisch ist es hier wahnsinnig spannend. Die Nahe liegt am Rand des Rheinischen Schiefergebirges, dazu kommen viele kleine Seitenflüsse, die für Einschnitte und eine sehr diverse Topographie sorgen. Überall kommen andere Bodentypen an die Oberfläche, und das hat starken Einfluss auf das Mikroklima. Wenn ein Tal sich nach Westen öffnet, kommen kühlere Einflüsse hinein, die Tag-Nacht-Unterschiede sind andere. Deshalb gibt es an der Nahe viel mehr verschiedene Lagen, als man bei einem kleinen Gebiet denken würde. Der Riesling hat eine sehr lange Wachstumsperiode von der Blüte bis zur Lese, und dann können sich kleine Klimaunterschiede intensiv ausspielen.

Die Nahe ist 120 Kilometer lang und überwindet 320 Höhenmeter. Zum Verständnis der Böden muss man weit zurückgehen: Über Millionen Jahre haben sich Schichten aufgebaut, fast wie bei einer Schwarzwälder Kirschtorte. Vor etwa 30 Millionen Jahren gab es enorme tektonische Bewegungen, die afrikanische Platte drückte gegen die europäische, die Alpen falteten sich auf, das Rheintal brach ein. Dabei entstanden die Mittelgebirge, die die Nahe heute umgeben. Dazu kamen Vulkanausbrüche und Erosion. So sind die verschiedenen Bodentypen an die Oberfläche gekommen und haben sich noch einmal vermischt. Die 180 Bodentypen kann man auch beim Gebietsweinverband nachlesen: wo Löss liegt, wo Schiefer, wo die verschiedenen Vulkangesteine sind.

[Obere, mittlere und untere Nahe]

[Romana Echensperger] Man unterteilt die Nahe in obere, mittlere und untere Nahe. Die obere Nahe beginnt etwa bei Monzingen, von dort schlängelt sich die Nahe rund 25 Kilometer bis Schlossböckelheim. Dort ist das Tal etwas breiter und etwas wärmer. Es gibt spannende Weindörfer wie Bockenau, wo das Weingut Schäfer-Fröhlich sitzt, weiter oben Richtung Hunsrück, entsprechend kühl und mit einem sehr geradlinigen Weinstil.

Dann kommt die mittlere Nahe von Schlossböckelheim bis Bad Kreuznach. Dort ist das Tal sehr eng, und dort liegen wie an einer Perlenkette aufgefädelt die großen Rieslinglagen: Hermannshöhle, Hermannsberg, Oberhäuser Brücke und wie sie alle heißen. Auch das Weingut Dr. Crusius sitzt an der mittleren Nahe.

Ab Bad Kreuznach bis Bingen, wo die Nahe in den Rhein mündet, wird der Boden schwerer, mit mehr Lehm- und Lössanteilen. Jede Rebsorte hat ihre eigenen Wünsche: Der Riesling mag sehr karge Böden, Porphyr oder Schiefer, wo kaum ein Humuskorn zu finden ist, da ist er fantastisch. Die Burgundersorten wollen es gemütlicher, etwas mehr Wasserhaltekraft im Boden. Deshalb findet man an der unteren Nahe hauptsächlich die Burgundersorten, wobei es Ausnahmen gibt. Es ist dort etwas wärmer, die Rieslinge von dort haben eine burgundische Ausrichtung, etwas mehr Fülle und Schmelz. Und es gibt ganz tolle Weißburgunder und Grauburgunder.

Ich finde die Landschaft dort sehr intakt: keine Monokultur ohne Ende, sondern Wiesen, Landwirtschaft und Wald dazwischen. Das macht sie auch touristisch interessant.

[Rebsorten und Lagenkarte]

[Romana Echensperger] Am Rebsortenspiegel sieht man zwei Dinge. Erstens ist die Nahe eine kühle Region: Riesling, Müller-Thurgau, Dornfelder, Grauburgunder, Weißburgunder, Spätburgunder. Man findet hier keine Unmengen an Merlot. Zweitens ist es eine von Weißwein geprägte Region, mit Riesling als absoluter Leitrebsorte. Das kühle Klima mit langer Wachstumsperiode und kühlen Nächten sorgt dafür, dass sich die Säure langsamer abbaut. Das ergibt frische Säure und eine feine, klar definierte, präzise Fruchtaromatik. Das macht die Nahe auch für Sauvignon Blanc und Scheurebe interessant, aber ebenso für Weißburgunder und Grauburgunder, die anderswo manchmal langweilig ausfallen. Hier bekommen sie eine feine, elegante Art.

Wir haben außerdem etwa 30 Prozent Steillagen. Und es gibt die berühmte Lagenkarte von 1901. Wie viele Lagenklassifikationen ist sie als steuerrechtliche Grundlage entstanden: Wo es am dunkelsten eingefärbt war, musste man die meisten Steuern zahlen. Diese Karten werden heute herangezogen, um Große und Erste Lagen zu identifizieren. Sie sind ein guter Schatz und zeigen, dass man hier über Jahrhunderte hinweg mit Weinbau zu tun hat.

[Im Gespräch mit Rebecca Crusius, Weingut Dr. Crusius]

[Rebecca Crusius] Unser Weingut sitzt in einem kleinen Dorf an der mittleren Nahe, in Traisen. Das ist sehr klein, etwa 600 Einwohner, und es gibt dort drei Weingüter. Die erste Erwähnung unserer Familie in der Region stammt aus dem Jahr 1576, das sind jetzt 445 Jahre. Rechnerisch wäre ich damit die vierzehnte Generation. Früher waren das landwirtschaftliche Gemischtbetriebe, die den Weinbau nebenher hatten. Mein Großvater hat das Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger auf reinen Flaschenwein umgestellt, was für diese Zeit sehr früh war, damals war der Fassweinverkauf üblich. Zu Beginn der Neunziger hat mein Vater das Weingut komplett übernommen, er ist auch der Doktor Crusius, daher der Name. Ich bin seit 2019 im Betrieb.

Wir bewirtschaften 22 Hektar, etwa 60 Prozent Riesling und 25 Prozent Weißburgunder, was für diese Region ein relativ großer Anteil ist. Der Rest sind verschiedene Burgundersorten. Insgesamt machen wir 95 Prozent weiße Rebsorten.

[Romana Echensperger] Ihr habt ein beeindruckendes Lagenportfolio. Kannst du die wichtigsten Lagen und ihre Bodentypen nennen?

[Rebecca Crusius] Wir haben drei Hauptböden. Der wichtigste ist für uns der Porphyrboden, vulkanisches Hartgestein. Die bekannteste Lage darauf ist die Traiser Bastei, ein ganz schmaler Streifen unterhalb einer für unsere Region typischen Landmarke: der höchsten Steilwand nördlich der Alpen und südlich von Skandinavien, einer 200 Meter hohen Klippe. Direkt unterhalb dieser Klippe verläuft ein Weinberg von etwas über einem Hektar, den sich drei Winzer teilen, und wir gehören zu diesen Glücklichen. Dazu kommt der Traiser Rotenfels, quasi der Ausläufer dieser Steilwand, ebenfalls Porphyrgestein.

Wenn wir uns vom Weingut entfernen, kommt Tonschiefer, der aber aussieht wie Sandstein. Das sind die Lagen Norheimer Kirschheck und Niederhäuser Felsensteyer. Und dann noch, mit die bekanntesten, Schlossböckelheim, wo der Boden wieder vulkanisch ist, dort eher als schwarzes Vulkangestein. Dort haben wir die Lagen Schlossböckelheimer Kupfergrube und Felsenberg.

[Romana Echensperger] Wie würdest du die Bodentypen geschmacklich beschreiben, und gehst du in der Weinbereitung darauf ein?

[Rebecca Crusius] Die Lagentypen haben ihr eigenes Geschmacksprofil. Für mich ist der Porphyrboden die klassische Art von Riesling: weißer Pfirsich und Aprikose, unterstützt von etwas Zitrus mit seiner Frische. Auf Tonschiefer geht es relativ fruchtbetont und sehr geradlinig, kühl, aber mehr in Richtung exotischer Früchte, Maracuja spielt da hinein. Felsenberg und Kupfergrube sind für mich sehr unterschiedlich, obwohl sie nur 300 Meter Luftlinie auseinander liegen und den gleichen Boden haben. Beide sind heißere Lagen, auch weil der Boden dort dunkel ist. Sie werden voller, mit ein bisschen Kräutertönen, bei der Kupfergrube kann auch etwas Waldmeister dabei sein.

Bei der Weinbereitung haben wir Erfahrung mit den Weinbergen und wissen, was funktioniert. Felsenberg und Bastei sind, so unterschiedlich sie sind, beides sehr kraftvolle Weine und vertragen gut einen Anteil Holzfass. Die Kupfergrube lässt sich hervorragend spontan vergären. Beim Rotenfels dagegen wird die eher klassische, fruchtbetonte Art mit Edelstahl unterstrichen, um dem Ganzen Schliff zu geben.

[Romana Echensperger] Was mich immer beeindruckt: Bei allen Lagenunterschieden eint die Nahe eine ganz präzise, klare Frucht und dieses Säure- und Mineralitätsrückgrat.

[Rebecca Crusius] Das Beste an der Nahe ist ja, dass man wegen der Bodenvielfalt gerade nicht sagen kann, so schmeckt Nahe-Riesling. Aber diese Grundbeschreibung stimmt: relativ elegant, eher schlank, mit einer gewissen Struktur. Das kommt auch daher, dass wir eine kühle Region sind. Wir sind vielfältiger in den Ausprägungen als Mosel oder Rheingau, nicht ganz so säurebetont wie der Rheingau und nicht ganz so spontanvergärungsbetont wie die Mosel. Man spürt eher die Finessen des Rieslings.

[Süßweine und Eiswein]

[Rebecca Crusius] Wir machen 95 Prozent trockene Weine, aber auf der Preisliste stehen etwa zehn Positionen süße Weine. Das ist eine gewisse Kunst, die nicht verloren gehen darf. Die süßen Rieslinge, egal ob feinherb oder Trockenbeerenauslese, zeigen ein Stück weit die Kunst des Winzers: alles ausgewogen zu machen, ohne dass es auf welchem Süßeniveau auch immer langweilig wird. Süße Weine aus warmen Regionen finde ich problematisch, da fehlt diese Leichtigkeit, dieses Tänzelnde. Wir versuchen, die Prädikatsstufen dem Jahrgang angemessen zu erzeugen. Es gibt Jahre, da kommt man nicht weiter als Kabinett, damit muss man sich abfinden. Und es gibt Jahre, in denen wir Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen ernten können. Das ist sehr diffizil und zeitaufwendig, mit wenig Ausbeute: Wenn man 200 oder 300 Liter hat, ist das schon schön.

[Romana Echensperger] Ihr macht auch Eiswein. Ich finde, an der Nahe gibt es Lagen, die großartiges Terroir für Eiswein sind, unter anderem die Oberhäuser Brücke, wo Kaltluft darunterzieht.

[Rebecca Crusius] Grundsätzlich sind die Lagen hier relativ skelettreich und gesteinsgeprägt, sodass auch die Tallagen diese Kapazität zeigen, ohne im Steilhang zu hängen. Gerade die flachen Lagen an den Füßen der Steilhänge sind meistens prädestiniert für Eiswein, weil sich dort ein Kältekessel bildet und weil es generell eher spät reifende Lagen sind, in denen die Trauben am längsten gesund bleiben. Dann muss man alles parat haben und den Mut aufbringen, die Trauben hängen zu lassen. Entweder macht man Eiswein, oder die Trauben verfallen, oder die Wildschweine kommen, Rehe und Vögel ebenso. Das ist immer seltener geworden. Zu meiner Schulzeit kam es öfter vor, dass ich kurz vor den Winterferien später zur Schule kam, weil wir lesen mussten. In den letzten acht Jahren ist das deutlich seltener geworden.

[Jahrgang und Klima]

[Rebecca Crusius] Wir haben uns drei Jahre lang beschwert, dass alles so trocken ist, und jetzt stehen wir hier und sagen, so viel Regen musste es auch nicht sein. Bei uns hat sich das aber im Rahmen gehalten. Wir sind ja eine der trockensten Regionen Deutschlands, und für uns war es viel Regen: Ich glaube, wir haben fast 100 Liter mehr in Summe als im Schnitt der letzten drei Jahre. Am ehesten vergleichbar ist der Jahrgang mit 2016, wobei 2016 sogar noch wärmer und trockener war. Qualitativ können wir noch keine Aussage treffen, dafür ist es zu früh, es war lange kalt. Ansonsten ein arbeitsreiches Jahr.

[Weißburgunder an der Nahe]

[Rebecca Crusius] Mein Großvater hat in den Achtzigern mit Weißburgunder angefangen, was für diese Rebsorte relativ früh war. Er hat entdeckt, dass unsere Lagen zwar skelettreich sind, wir aber auch Parzellen haben, in denen der Skelettanteil zurückgeht und mehr Lehmböden mit Porphyrbrocken durchsetzt sind. Weil der Boden bei uns überall so unterschiedlich ist, eignet sich jeder Weinberg für etwas anderes. Wir haben ein paar Ecken entdeckt, in denen Weißburgunder hervorragend funktioniert. Damit hat man sich damals auch ein Stück weit abgesetzt. Mittlerweile kommen wir an einen Punkt, an dem wir den Weißburgunder sehr schön darstellen können. Für uns ist oberstes Gebot, dass die Weine Eleganz und Geradlinigkeit haben, und unser Weißburgunder hat dazu etwas sehr Weiches.

[Romana Echensperger] Und die Burgundersorten werden nicht mit Holz überfrachtet, sondern eher ein gebrauchtes oder großes Fass. Es geht darum, den Wein geschmacklich zu unterstützen, nicht zu übertönen.

[Burgundersorten allgemein]

[Romana Echensperger] Viele Weintrinkerinnen und Weintrinker können mit Riesling nicht unbedingt sofort etwas anfangen, manche sind empfindlich gegenüber der Säure. Erstaunlicherweise sind sie oft begeistert, wenn man ihnen einen guten Riesling einschenkt, aber es gibt Vorbehalte. Aus diesem Grund, und weil es viele gute Lagen für Burgundersorten in Deutschland gibt, haben Weißburgunder und Grauburgunder einen enormen Siegeszug angesetzt. Von 1995 bis heute sehen wir einen enormen Zuwachs. Beim Spätburgunder spielt Deutschland in internationalen Verkostungen ganz vorne mit, aber auch die weißen Burgundersorten verdienen Aufmerksamkeit: Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay, in allen Qualitätsstufen bis zum Großen Gewächs. Und Weißburgunder eignet sich hervorragend für Sekt, ebenso Chardonnay, Spätburgunder und Schwarzriesling. Wer einen früh zugänglichen Sekt sucht, sollte nach Weißburgunder-Sekt Ausschau halten: blumig, zugänglich, cremig.

Von den rund 4.230 Hektar entfallen etwa 300 Hektar auf Weißburgunder, Grauburgunder spielt ebenfalls eine Rolle, dazu Spätburgunder und Chardonnay. Die Burgundersorten stehen dort, wo die Böden etwas dicker sind, oder an der unteren Nahe Richtung Bad Kreuznach, wo man Löss- und Lehmanteile hat.

[Im Gespräch mit Julia Fluhr, Restaurant Hermannshöhle]

[Julia Fluhr] Wigbert Weck ist seit 2007 in der Hermannshöhle, zwischen Niederhausen und Oberhausen. Er kam direkt nach seiner Zeit bei Christian Bau zurück und hat sich hier selbstständig gemacht. Seitdem entwickeln wir das Haus weiter, 2017 haben wir unsere Vinothek angebaut und uns noch stärker auf das Thema Wein ausgerichtet, das ist einfach unsere Stärke.

[Romana Echensperger] Wie ist deine Weinkarte aufgebaut?

[Julia Fluhr] Ich habe sie wirklich nahe-bezogen aufgebaut. Hier und da ist etwas aus anderen Weinbauregionen dabei, das ist eher unser Hobby und auch für die Winzer aus der Region gedacht, wenn sie uns besuchen. Aber unser Steckenpferd ist das nicht, wir sind wirklich auf die Nahe ausgerichtet.

[Romana Echensperger] Kann man bei euch auch ältere Jahrgänge verkosten?

[Julia Fluhr] Die Nachfrage nach gereiftem Riesling ist da und wird sehr häufig gefragt. Wir sind aktuell mit 2015 bei den älteren Jahrgängen, wir haben leider nichts Älteres mehr im offenen Bereich, aber ich habe noch etwas aus den Neunzigern und aus 1989 im Haus. Das ist spannend zu probieren, und die Leute nehmen es gerne an. Auch Süßweine habe ich viele da, die sind allerdings seit einiger Zeit nicht so nachgefragt, das ist schade.

[Romana Echensperger] Wie sind deine Erfahrungen mit Grauburgunder?

[Julia Fluhr] Grauburgunder ist bei Einsteigern immer gern beliebt: nicht zu trocken, nicht zu fruchtig, darf ruhig ein bisschen Restzucker haben, sechs oder sieben Gramm sind optimal. Gerade niederländische Gäste sind sehr begeistert davon. Wenn jemand einfach „Weißwein trocken“ bestellt, ist Grauburgunder immer perfekt. Er ist auch die Alternative, wenn jemand mit Säure Probleme hat. Und Weißburgunder und Grauburgunder aus dem Holzfass sind die Alternative zum Rotwein, wenn jemand kein Rotweinliebhaber ist.

[Romana Echensperger] Kombinierst du bestimmte Lagen zu bestimmten Gerichten?

[Julia Fluhr] Das mache ich meistens nach Lust und Laune. Im Moment haben wir zum Beispiel Zanderfilet mit Spinat und Rieslingsoße auf der Karte, da passt die Hermannshöhle sehr schön dazu, oder eine Lage von Rebecca. Manchmal nehme ich lieber etwas Reiferes zum Essen als etwas Frisches, das ergänzt sich schöner, weil man nicht die frische Säure hat, die das Essen ein Stück weit übertönt. Es kommt auch stark darauf an, wie der Wein ausgebaut ist.

[Romana Echensperger] Gibt es Signature Dishes?

[Julia Fluhr] Unsere gebratene Blutwurst ist bekannt, dafür sind schon Gäste aus aller Welt zu uns gekommen, ich hatte sogar Schweden hier sitzen, die davon gehört hatten. Dazu passt zum Beispiel ein Kabinett aus dem Oberhäuser Leistenberg wunderbar. Bekannt ist mittlerweile auch unser Rehrücken, das Wild kommt direkt aus Niederhausen, dazu Preiselbeeren und Spätzle. Dazu bestellen die Gäste gern eine Auslese oder Spätlese aus den Neunzigern, diese Kombination aus gereiftem Wild und gereiftem Süßwein ist großartig.

[Bio und Nachhaltigkeit]

[Rebecca Crusius] Zu den Bioweinen: Der Trend zur naturnäheren Bewirtschaftung geht auf jeden Fall weiter, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Ich glaube aber, die Nahe ist noch nicht so breit aufgestellt wie Regionen wie die Pfalz oder Rheinhessen, weil die Weinberge und Flächen hier schwieriger zu bewirtschaften sind und die Umsetzung der Bio-Richtlinien dadurch aufwendiger ist. Das ist das klassische Thema Steillagen. Dazu kommt, dass die Flächen sehr kleinteilig sind. Manche Weinberge sind nur mit der Raupe oder sogar nur mit der Hand zu bewirtschaften.

Wir sind ein konventioneller Betrieb. Es gibt trotzdem immer Raum für Verbesserungen und das Streben nach naturnäherer Bewirtschaftung, aber man muss es abhängig machen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. In einem Jahr wie diesem, mit falschem Mehltau, kann das an die Substanz gehen. Und im biologischen Pflanzenschutz sind die Intervalle deutlich kürzer, da sitzt man rund um die Uhr auf dem Traktor. Für viele wäre das kaum machbar. Wer es dieses Jahr erfolgreich umgesetzt hat, verdient Respekt.

[Romana Echensperger] Wenn man die Zahlen zieht, sind Pfalz und Rheinhessen wirklich ganz vorne im Bioanbau, was auch mit dem trockenen Klima und weniger Pilzdruck zu tun hat. Und der Fachkräftemangel spielt hinein: Es ist schwierig, die richtigen Leute zu finden, und auch das beeinflusst, wie viel Arbeit man in die Weinberge stecken kann.

[Geschichte des Weinbaus an der Nahe]

[Romana Echensperger] Die Römer kamen den Rhein hoch und haben überall Wein angebaut. Im Mittelalter wurde der Weinbau von den Klöstern weiterentwickelt. Karl der Große war ein großer Weinliebhaber, er hat das Recht der Winzer auf Straußwirtschaft eingeführt und Hygienevorschriften erlassen. Um 1500 gab es erste Dokumentationen, wie der Wein in die Welt kam. Es gab das sogenannte Binger Loch: Die Nahe fließt in den Rhein, und der Rhein war schiffbar, sodass man Ware bis an die Nordsee bringen konnte. Aber in Bingen gab es einen riesigen Felsbrocken, den man erst spät wegsprengen konnte. Vorher musste umgeladen und getreidelt werden. Trotzdem hat man es gemacht, und Nahewein ist als Rheinwein durch die Welt gekommen.

1901 kam die berühmte Klassifizierung, deren historische Lagenkarten man heute in vielen Weingütern an der Wand sieht. Seit 1971 ist die Nahe ein eigenständiges Anbaugebiet, vorher wurde Nahewein als Rheinwein vermarktet. Im selben Jahr wurde auch die Naheweinstraße ins Leben gerufen, 130 Kilometer lang durch das Anbaugebiet, vorbei an Weindörfern, Weingütern und Einkehrmöglichkeiten. Dazu gibt es die Gebietsvinothek in Bad Kreuznach, eröffnet im Mai 2015, in der Nahe-Winzer ihre Weine präsentieren und in der man verkosten und einkaufen kann.

[Im Gespräch mit Katja Hilt, Naheland-Touristik]

[Katja Hilt] Ich bin ein Kind der Region, gebürtig in Monzingen, und nach dem Studium in Trier wieder zurückgekommen, nach Meddersheim. Aus meinem Bürofenster schaue ich auf eine der schönsten Weinsichten an der Nahe.

[Romana Echensperger] Warum sollte man an der Nahe Urlaub machen?

[Katja Hilt] Wenn wir ehrlich sind, suchen wir doch alle ständig nach dem Besonderen: nach atemberaubenden Ausblicken, nach entspannender Wellness, nach faszinierenden Edelsteinen, nach schroffen Felsen, nach mystischen Bildern, nach tollen Radwegen und Wanderwegen. All das findet man an der Nahe. Und der Wein schmeckt vor Ort noch besser. Jeder findet sein persönliches Highlight, davon bin ich überzeugt.

[Romana Echensperger] Kann man euch für die Urlaubsplanung auch direkt anrufen?

[Katja Hilt] Beides ist möglich. Wir haben unsere Website komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Dort kann sich jeder individuell die Infos zusammensuchen. Wer nicht fündig wird, darf gerne bei uns im Büro anrufen, wir haben auch Printmaterial und stehen für die Geheimtipps am Telefon zur Verfügung.

[Romana Echensperger] Wie sieht es mit Wandern aus?

[Katja Hilt] Wir haben an der Nahe im wahrsten Sinne ausgezeichnete Wanderwege. Erst vor ein paar Tagen wurde eine unserer Rundtouren, die Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg, bei der Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg auf Platz 3 gewählt. Von einem der Aussichtspunkte auf dem Lemberg blickt man hinunter Richtung Hermannshöhle und kann sich schon während der Wanderung auf ein leckeres Abendessen freuen. Wir haben viele weitere Touren in unterschiedlicher Länge, man kann auch bei Rebecca in Traisen rund um den Rotenfels kleine Touren machen. Dazu kommen Fernwanderwege über mehrere Tage: Soonwaldsteig, Nahesteig, Weinwanderweg Rhein-Nahe. Wein und Wandern passt immer zusammen.

[Romana Echensperger] Und Radfahren?

[Katja Hilt] Wir haben ganz neu Radstrecken für sportlich Ambitionierte, auch eine rund um die Naheweinstraße, sodass man diese auf eine andere Art neu entdecken kann. Für Mountainbiker gibt es den einen oder anderen Flowtrail.

[Romana Echensperger] Camping ist ja gerade sehr beliebt geworden.

[Katja Hilt] Es gibt schöne Wohnmobilstellplätze und einige Campingplätze, zum Beispiel in Bad Münster an der Mündung. Es gibt aber auch ganz andere Übernachtungsformen, etwa einen Weinschlafwagen in den Weinbergen. Solche kleineren Einheiten, in denen man für sich ist, werden gerade sehr gut nachgefragt.

[Romana Echensperger] Was kann man kulturell entdecken?

[Katja Hilt] In Bad Kreuznach gibt es spannende Stadtführungen und Museen. Wir haben aber auch kleinere Geheimtipps, zum Beispiel Meisenheim am Glan, ein altes historisches Städtchen, das nie zerstört wurde, wo man viele Häuser noch im Originalzustand erleben kann. Es gibt gute Küche dort und thematische Stadtführungen, kulinarische Abendführungen und Nachtwächterführungen. Und in Idar-Oberstein haben wir das Deutsche Edelsteinmuseum. Dort gibt es zum Beispiel auch eine Edelsteinkünstlerin, die Schmuck aus Weinflaschen, also aus Glas, herstellt, sehr schick und modern: Ringe, Anhänger und Ohrringe. Die findet man an der Deutschen Edelsteinstraße. Es muss also nicht immer der Brillant sein.

[Sauvignon Blanc an der Nahe]

[Katja Hilt] Ich habe einen Sauvignon Blanc im Glas. Ich glaube, der ist heute auch im Paket, weil wir an der Nahe einen Pionier dieser Rebsorte sitzen haben, der schon sehr früh damit begonnen hat. Das ist aus meiner laienhaften Weinkenntnis heraus ein spannendes Thema mit viel Potenzial.

[Romana Echensperger] Sauvignon Blanc ist nicht meine Lieblingsrebsorte, oft hat man einen großen Kopf und dann einen dünnen Körper. Bei diesem hier finde ich es sehr ausgewogen, mit Körper und Schmelz, und wieder diese kristallin klare Ausprägung der Aromatik, die für mich sehr typisch für die Nahe ist. Es ist fast so, als würde man perfekt reife Früchte auf dem Silbertablett serviert bekommen. Das gilt für Riesling, für Weißburgunder und Grauburgunder, und es gibt an der Nahe auch etwas Scheurebe, aus der man fantastische Weine probieren kann. Ich mag Sauvignon Blanc in Seminaren, weil jeder sofort etwas riecht und Aromen definieren kann. Dieser hier ist sehr fein, etwas grasig, mit Limette. Sauvignon Blanc hat eine große Bandbreite von grasig-frisch bis exotisch anmutend. Manche bauen ihn im Fass aus, um die intensive Aromatik zu brechen.

Zum Essen mag ich Sauvignon Blanc sehr gern mit Lachs, langsam in Olivenöl ausgebacken, dazu Fenchelgemüse und eine Sättigungsbeilage. Oder zu Fisch überhaupt, zu Meeresfrüchten und Muscheln: ein Sud aus Zwiebeln, Lauch und Weißwein, die Miesmuscheln hinein, erhitzen, bis alle aufgehen, einmal kräftig durchschütteln, und dann mit den Händen essen.

[Trekkingcamps im Soonwald]

[Katja Hilt] Der Soonwaldsteig ist ein Fernwanderweg, der wirklich mitten durch den Soonwald führt. An diesen Trekkingcamps kann man mitten in der Natur mit dem eigenen Zelt übernachten. Sie liegen so versteckt, dass man die Geokoordinaten erst erhält, wenn man sie über die offiziellen Plattformen bucht. In den letzten zwei Jahren gab es eine enorme Nachfrage, auch von vielen jüngeren Gästen, die sonst in den Anden oder im Himalaya unterwegs gewesen wären und die zum ersten Mal festgestellt haben, wie schön Urlaub in Deutschland ist. Das Wildcampen mit Zelt im Wald ist ja offiziell nicht erlaubt, auf diesen Plätzen aber schon, alles abgestimmt mit dem Forst, und die Förster betreuen die Camps. Eine legale Form des Natururlaubs also.

[Abschluss]

[Michaela Nübling] Auf unserer Seite gibt es außerdem einen Podcast zur Nahe, in dem die Route am Lemberg vorkommt und weitere Tipps zum Wandern und zu Aktivitäten an der Nahe. Die Lese steht direkt vor der Tür, und in den Anbaugebieten wird noch Hilfe benötigt. Der nächste erste Donnerstag ist der 7. Oktober, dann geht es weiter mit der Pfalz.

[Romana Echensperger] Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, und trinken Sie Nahe.

Das Weinbaugebiet Nahe im Überblick

Die Nahe ist ein Anbaugebiet, das gern übersehen wird, weil es zwischen bekannteren Nachbarn liegt: Rheinhessen im Osten, der Rheingau im Nordosten, die Mosel jenseits des Hunsrücks. Wer genauer hinschaut, findet ein Gebiet, das für seine Größe außergewöhnlich viel Vielfalt bietet.

Lage, Klima und Größe des Anbaugebiets Nahe

Das Weinbaugebiet Nahe liegt in Rheinland-Pfalz entlang des gleichnamigen linken Rhein-Nebenflusses und seiner Nebenflüsse Glan und Alsenz. Nach Nordwesten schützt der Hunsrück, nach Norden der Taunus, südöstlich schließt das Nordpfälzer Bergland an. Diese Lage im Regenschatten macht die Nahe zu einem der trockensten Weinbaugebiete Deutschlands, im Video werden rund 500 Millimeter Niederschlag im Jahresmittel genannt.

(Ergänzung der Redaktion) Die Rebfläche liegt bei rund 4.240 Hektar (Stand 2022, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz). Damit ist die Nahe eines der mittelgroßen deutschen Anbaugebiete. 77 Prozent der Fläche sind mit weißen Rebsorten bestockt. Eigenständiges Anbaugebiet ist die Nahe erst seit 1971, vorher wurde ihr Wein vielfach als Rheinwein vermarktet. Das erklärt bis heute einen Teil ihrer geringeren Bekanntheit.

180 Bodentypen: warum die Nahe geologisch besonders ist

Der auffälligste Punkt des Seminars ist die Bodenvielfalt. Über 180 Bodenvarianten werden im Anbaugebiet vermutet, und die Wechsel erfolgen auf engstem Raum. Romana Echensperger erklärt das mit der Erdgeschichte: Über Jahrmillionen haben sich Schichten übereinandergelegt, vor rund 30 Millionen Jahren drückte die afrikanische auf die europäische Platte, die Alpen falteten sich auf, das Rheintal brach ein. Dabei entstanden die Mittelgebirge rund um die Nahe. Vulkanausbrüche und Erosion legten die unterschiedlichen Gesteine frei und vermischten sie erneut.

In der Praxis heißt das: Quarzit und Schiefer an der unteren Nahe, Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein an der mittleren Nahe, rund um Bad Kreuznach Verwitterungsböden mit Löss- und Lehmanteilen. (Ergänzung der Redaktion) Diese Vielfalt wurde im Projekt „Stein und Wein“ systematisch untersucht, die Ergebnisse veröffentlichte das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium 2013.

Für den Riesling ist das entscheidend. Er hat eine lange Wachstumsperiode von der Blüte bis zur Lese, sodass sich selbst kleine Unterschiede in Boden und Mikroklima im Wein niederschlagen. Das ist der Grund, warum ein Nahe-Riesling nicht auf einen Geschmack festzulegen ist.

Obere, mittlere und untere Nahe

Das Gebiet gliedert sich in drei Abschnitte, die im Video anschaulich beschrieben werden:

  • Obere Nahe: beginnt etwa bei Monzingen und reicht rund 25 Kilometer bis Schlossböckelheim. Das Tal ist breiter und etwas wärmer. Weindörfer wie Bockenau liegen höher Richtung Hunsrück und bringen entsprechend kühle, geradlinige Weine.
  • Mittlere Nahe: von Schlossböckelheim bis Bad Kreuznach. Hier ist das Tal eng, und hier liegen die großen Rieslinglagen wie an einer Perlenkette aufgefädelt: Hermannshöhle, Hermannsberg, Oberhäuser Brücke.
  • Untere Nahe: von Bad Kreuznach bis zur Mündung in den Rhein bei Bingen. Schwerere Böden mit Lehm- und Lössanteilen, wärmer, hier dominieren die Burgundersorten. Rieslinge von dort haben mehr Fülle und Schmelz.

(Ergänzung der Redaktion) Verwaltungstechnisch gliedert sich die Nahe heute in einen Bereich mit sechs Großlagen (Schlosskapelle, Sonnenborn, Pfarrgarten, Kronenberg, Rosengarten, Paradiesgarten, Burgweg) und rund 300 Einzellagen. Die im Video genannte Dreiteilung ist die weinbaulich gebräuchliche, nicht die amtliche Einteilung.

Schematische Karte des Weinbaugebiets Nahe: der Flusslauf von Martinstein bis Bingen am Rhein, farblich gegliedert in obere, mittlere und untere Nahe, mit den Weinorten und ihren Weingütern, den Nebenflüssen Glan und Alsenz sowie dem Rotenfels.
Das Weinbaugebiet Nahe im Überblick: obere, mittlere und untere Nahe mit den im Text genannten Weinorten und Weingütern. Schematische Darstellung mit überhöhtem Nord-Süd-Abstand, keine maßstabsgetreue Karte. Grafik: Wine-Travelling.

Rebsorten: Riesling, Burgunder und mehr

Der Riesling ist die Leitrebsorte des Weinbaugebiets Nahe. (Ergänzung der Redaktion) Die aktuelle Verteilung nach Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz (Stand 2022):

  • Riesling: 29,2 Prozent (rund 1.236 Hektar)
  • Müller-Thurgau: 11,4 Prozent
  • Grauburgunder: 9,1 Prozent
  • Dornfelder: 9,0 Prozent
  • Weißburgunder: 7,7 Prozent
  • Spätburgunder: 6,9 Prozent

Am Rebsortenspiegel lässt sich das Klima ablesen: Es fehlen die wärmeliebenden Sorten wie Merlot, stattdessen dominieren kühlklimatische Weißweinsorten. Kühle Nächte verlangsamen den Säureabbau in den Trauben, was für frische Säure und eine präzise, klar definierte Frucht sorgt. Genau deshalb funktionieren an der Nahe auch Sauvignon Blanc und Scheurebe gut, und Weißburgunder und Grauburgunder fallen feiner und eleganter aus als in wärmeren Regionen.

Wie Böden schmecken: Einblicke aus dem Weingut Dr. Crusius

Rebecca Crusius bewirtschaftet mit ihrer Familie 22 Hektar in Traisen an der mittleren Nahe, davon etwa 60 Prozent Riesling und 25 Prozent Weißburgunder. Ihre Beschreibung der Lagen zeigt, wie konkret der Bodeneinfluss wird:

  • Porphyr (Traiser Bastei, Traiser Rotenfels): weißer Pfirsich und Aprikose, gestützt von Zitrusfrische. Für sie die klassische Riesling-Art der Region.
  • Tonschiefer (Norheimer Kirschheck, Niederhäuser Felsensteyer): fruchtbetont, sehr geradlinig, kühl, mit exotischen Noten bis hin zu Maracuja.
  • Schwarzes Vulkangestein (Schlossböckelheimer Kupfergrube und Felsenberg): voller und wärmer, mit Kräutertönen, bei der Kupfergrube auch etwas Waldmeister.

Bemerkenswert ist ihre Beobachtung zu Kupfergrube und Felsenberg: nur rund 300 Meter Luftlinie voneinander entfernt, gleicher Boden, und trotzdem deutlich unterschiedliche Weine. Auch die Kellerarbeit folgt der Lage. Felsenberg und Bastei ergeben kraftvolle Weine, die einen Holzfassanteil vertragen. Die Kupfergrube eignet sich für Spontangärung. Beim Rotenfels wird die fruchtbetonte Art mit Edelstahlausbau unterstrichen.

(Ergänzung der Redaktion) Die Traiser Bastei ist eine der kleinsten Spitzenlagen Deutschlands: gut ein Hektar direkt unterhalb des Rotenfels, aufgeteilt auf drei Betriebe. Der Rotenfels selbst ist rund 202 Meter hoch und knapp 1.200 Meter lang und gilt als höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien. Er besteht aus rötlichem Rhyolith, dem Gestein, das die Winzer traditionell als Porphyr bezeichnen.

Süßweine und Eiswein an der Nahe

Auch wenn der Markt trockene Weine verlangt, wird die Süßweintradition gepflegt. Rebecca Crusius nennt sie eine Kunst, die nicht verloren gehen darf, und beschreibt die Herausforderung: Auf jedem Süßeniveau, von feinherb bis Trockenbeerenauslese, muss der Wein ausgewogen bleiben und darf nicht langweilig werden. Süßweine aus warmen Regionen fehlt ihrer Meinung nach genau die Leichtigkeit, die kühlere Gebiete mitbringen.

Beim Eiswein ist die Nahe geologisch begünstigt. Die flachen Lagen am Fuß der Steilhänge bilden Kältekessel und reifen spät, sodass die Trauben lange gesund bleiben. Genannt wird unter anderem die Oberhäuser Brücke. Gleichzeitig macht der Klimawandel Eiswein selten: In den Jahren vor der Aufzeichnung gab es kaum noch regelmäßige Eisweinlesen.

Bio und Nachhaltigkeit im Weinbaugebiet Nahe

Der Trend zu naturnaher Bewirtschaftung ist auch an der Nahe da, die Region hinkt beim Bioanteil aber hinter Pfalz und Rheinhessen her. Die Gründe, die im Video genannt werden, sind praktischer Natur: kleinteilige Parzellen, Steillagen, die teils nur mit Raupe oder von Hand zu bewirtschaften sind, kürzere Spritzintervalle im biologischen Pflanzenschutz und Fachkräftemangel. Rebecca Crusius formuliert die Haltung ihres konventionell arbeitenden Betriebs mit dem Satz „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

2000 Jahre Geschichte: Römer, Klöster und das Jahr 1971

Der Weinbau an der Nahe geht auf die Römer zurück und wurde im Mittelalter von Klöstern weiterentwickelt. Ein spannendes Detail aus dem Video: Weil das Binger Loch, ein Felsriff im Rhein bei Bingen, lange nicht passierbar war, musste Nahewein für den Export umgeladen und getreidelt werden. Trotzdem gelangte er als Rheinwein in die Welt. 1901 entstand die berühmte Lagenklassifikation, ursprünglich als steuerrechtliche Grundlage: Je dunkler eine Lage eingefärbt war, desto höher die Steuer. Diese historischen Karten werden bis heute herangezogen, um Große und Erste Lagen zu bestimmen. Seit 1971 ist die Nahe eigenständiges Anbaugebiet, im selben Jahr wurde die Naheweinstraße eröffnet.

Weingüter an der Nahe: VDP-Betriebe und bekannte Adressen

Ergänzend zum Video haben wir zusammengetragen, welche Weingüter an der Nahe überregional einen Namen haben. Die Auswahl folgt zwei nachprüfbaren Kriterien: Mitgliedschaft im Verband Deutscher Prädikatsweingüter und regelmäßige Nennung in den großen deutschen Weinguides. Das ist ausdrücklich keine Geschmacksbewertung, sondern eine Orientierungshilfe für die Reiseplanung.

Die neun VDP-Weingüter an der Nahe

Der VDP.Nahe ist einer der kleinsten Regionalverbände des Verbands. Auf rund 550 Hektar bewirtschaften seine Mitglieder einen Teil der besten Lagen des Anbaugebiets. Mit Stand August 2026 sind neun Betriebe Mitglied:

  • Weingut Dr. Crusius, Traisen (mittlere Nahe), im Video vertreten durch Rebecca Crusius
  • Schlossgut Diel, Burg Layen (untere Nahe)
  • Weingut H. Dönnhoff, Oberhausen (mittlere Nahe)
  • Weingut Emrich-Schönleber, Monzingen (obere Nahe)
  • Gut Hermannsberg, Niederhausen (mittlere Nahe), ehemalige Preußische Staatsdomäne
  • Weingut Kruger-Rumpf, Münster-Sarmsheim (untere Nahe)
  • Weingut Prinz Salm, Wallhausen
  • Weingut Joh. Bapt. Schäfer, Burg Layen
  • Weingut Schäfer-Fröhlich, Bockenau (obere Nahe), im Video als Beispiel für den kühlen, geradlinigen Stil der Höhenlagen genannt

Kruger-Rumpf ist dabei ein gutes Beispiel dafür, dass die untere Nahe mehr kann als Riesling: Der Betrieb baut neben Riesling auch Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay, Scheurebe und Sauvignon Blanc an. Chardonnay wurde dort Anfang der 1980er Jahre von Stefan Rumpf gepflanzt, nach eigenen Angaben als erstes Weingut an der Nahe.

Weitere bekannte Weingüter an der Nahe

Nicht jedes gute Weingut ist im VDP. Diese Betriebe werden vom VINUM Weinguide Deutschland regelmäßig unter den besten Erzeugern der Region geführt und sind für Besucherinnen und Besucher gut erreichbar:

  • Weingut Jakob Schneider, Niederhausen. Familienbetrieb seit 1575, rund 24 Hektar, davon etwa 85 Prozent Riesling, Schwerpunkt Steillagen. Im Video kommt ein Grauburgunder dieses Betriebs ins Glas.
  • Weingut Korrell Johanneshof, Bad Kreuznach
  • Weingut Hexamer, Meddersheim
  • Bamberger Wein- und Sektgut, Meddersheim
  • Weingut Hees, Auen
  • Weingut Sinß, Windesheim
  • Weingut Poss, Windesheim
  • Weingut Gebrüder Kauer, Windesheim
  • Weingut Lindenhof, Windesheim
  • Weingut K. H. Schneider, Bad Sobernheim
  • Weingut Hahnmühle, Mannweiler-Cölln (im Alsenztal)

Wer nicht einzeln von Weingut zu Weingut fahren möchte, hat in Bad Kreuznach eine praktische Alternative: Die Nahe.Wein.Vinothek im Dienheimer Hof ist die Gebietsvinothek der Region. Dort präsentieren rund fünfzig Nahe-Winzer je drei Weine, ein Teil davon ist im offenen Ausschank. Das ist der schnellste Weg, sich einen Überblick über die Bandbreite des Anbaugebiets zu verschaffen, bevor man gezielt einzelne Betriebe ansteuert.

Schöne Weinorte an der Nahe

Ergänzend zum Video haben wir die Orte zusammengestellt, die im Seminar genannt werden oder die sich als Basis für eine Weinreise anbieten. Sie liegen alle an oder nahe der Naheweinstraße, die auf 130 Kilometern 35 Weinorte zwischen Bingen am Rhein und Martinstein verbindet und ebenfalls 1971 eröffnet wurde.

  • Bad Kreuznach ist das wirtschaftliche und touristische Zentrum: Kurstadt mit Salinental und Gradierwerken, historischer Altstadt, den bekannten Brückenhäusern und der Gebietsvinothek. Ein guter Ausgangspunkt, wenn man ohne Auto anreist, denn der Bahnhof ist gut angebunden.
  • Niederhausen und Oberhausen an der mittleren Nahe sind das Herz der großen Rieslinglagen. Hier liegen Gut Hermannsberg, Dönnhoff und Jakob Schneider, dazu der Stausee und die Lage Hermannshöhle.
  • Traisen mit dem Rotenfels und der Traiser Bastei. Rund 600 Einwohner, drei Weingüter, direkt an der spektakulärsten Landschaftsformation des Gebiets.
  • Monzingen an der oberen Nahe, Heimat von Emrich-Schönleber und historischer Weinort mit Fachwerkkern.
  • Meddersheim und Bad Sobernheim, ebenfalls obere Nahe. Bad Sobernheim ist staatlich anerkanntes Felkeheilbad und beherbergt das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum, das im Video von einem Zuschauer als Tipp genannt wird.
  • Meisenheim am Glan ist der Geheimtipp aus dem Video: ein historisches Städtchen, das nie zerstört wurde, mit vielen Häusern im Originalzustand, thematischen Stadtführungen und Nachtwächterführungen.
  • Münster-Sarmsheim und Burg Layen an der unteren Nahe, kurz vor der Mündung in den Rhein. Der wärmste Abschnitt des Gebiets, hier sitzen Kruger-Rumpf, Schlossgut Diel und Joh. Bapt. Schäfer.
  • Idar-Oberstein liegt oberhalb des eigentlichen Weinbaugebiets, gehört aber zum Naheland: Edelsteinmetropole mit Deutschem Edelsteinmuseum und Ausgangspunkt der Deutschen Edelsteinstraße.

Weinreise an die Nahe: Wandern, Radfahren und Übernachten

Ergänzend zu den Tipps von Katja Hilt im Video haben wir die genannten Angebote recherchiert und aktualisiert. Wichtiger Hinweis vorab: Das Seminar wurde im September 2021 aufgezeichnet. Termine, Preise und Öffnungszeiten prüfst du am besten direkt bei der Naheland-Touristik.

Wandern zwischen Weinbergen und Soonwald

Die im Video erwähnte Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg ist ein rund 13,5 Kilometer langer Premiumwanderweg zwischen Feilbingert, Niederhausen und Oberhausen. Sie wurde 2021 bei der Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg in der Kategorie Tagestouren auf Platz 3 gewählt. Auf der Strecke liegen der Silbersee, das Quecksilber-Besucherbergwerk Schmittenstollen und mehrere Aussichtspunkte ins Nahetal.

Für längere Touren gibt es den Weinwanderweg Rhein-Nahe mit rund 97 Kilometern von Kirn bis Bingen, der die gesamte Weinbauregion der mittleren und unteren Nahe erschließt, sowie den Soonwaldsteig, der auf über 40 Kilometern durch keine einzige Siedlung führt. Rund um Bad Kreuznach und den Rotenfels liegen zudem die neun Rundwege des Systems „3×3 Salinental“, gestaffelt in kurze Intro-Touren, mittlere Classic-Touren und sportliche Vital-Touren.

Mit dem Rad durch das Weinbaugebiet Nahe

Der Nahe-Radweg folgt dem Flusslauf und ist die entspannte Variante, das Gebiet zu erkunden, weitgehend ohne nennenswerte Steigungen. Wer die Steillagen sehen möchte, muss allerdings Höhenmeter in Kauf nehmen: Der Abstecher zu Gut Hermannsberg oberhalb von Niederhausen wird im Video ausdrücklich als anstrengend, aber lohnend beschrieben. Für Mountainbiker gibt es am Rotenfels seit einigen Jahren die Strecken „Hardt Lines“.

Übernachten: vom Weinschlafwagen bis zum Trekkingcamp

Neben klassischen Hotels und Gästezimmern auf Weingütern nennt Katja Hilt zwei Formen, die die Region besonders machen. Zum einen einen Weinschlafwagen in den Weinbergen. Zum anderen die Trekkingcamps am Soonwaldsteig: einfache, ausgewiesene Zeltplätze mitten im Wald, deren Geokoordinaten man erst nach der Buchung über die offizielle Plattform erhält. Sie werden vom Forst betreut und sind die legale Alternative zum Wildcampen, das in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt ist.

Essen und Wein: die Hermannshöhle in Niederhausen

Das Restaurant, aus dem Julia Fluhr im Video zugeschaltet ist, gibt es weiterhin. Die Hermannshöhle Restaurant Weck liegt in einem ehemaligen Fährhaus von 1517 direkt an der Nahe in Niederhausen und wird seit 2007 von Wigbert Weck geführt. Die Weinkarte ist konsequent auf die Nahe ausgerichtet, dazu gehört eine angeschlossene Vinothek. (Ergänzung der Redaktion) Ob Julia Fluhr dort weiterhin als Sommelière arbeitet, konnten wir für 2026 nicht überprüfen.

Wichtige Fragen und Tipps rund um das Weinbaugebiet Nahe

Wo liegt das Weinbaugebiet Nahe?

Die Nahe liegt in Rheinland-Pfalz, westlich von Rheinhessen und südlich des Hunsrücks. Das Anbaugebiet zieht sich vom Oberlauf bei Monzingen und Martinstein flussabwärts bis zur Mündung in den Rhein bei Bingen, dazu kommen die Seitentäler von Glan, Alsenz, Guldenbach und Gräfenbach. Wirtschaftliches Zentrum ist Bad Kreuznach. Für die Anreise heißt das praktisch: über die A61 bis Bad Kreuznach, oder mit der Bahn über die Nahetalbahn, die dem Fluss durch das gesamte Gebiet folgt und an vielen Weinorten hält.

Welche Weine kommen aus dem Weinbaugebiet Nahe?

Vor allem Weißwein: 77 Prozent der Rebfläche sind mit weißen Sorten bestockt. Riesling ist mit rund 29 Prozent die Leitrebsorte, gefolgt von Müller-Thurgau, Grauburgunder und Weißburgunder. Bei den roten Sorten führen Dornfelder und Spätburgunder. Wer einen Einstieg sucht, fährt mit einem trockenen Riesling von der mittleren Nahe gut, wer es weicher mag, greift zu Grauburgunder von der unteren Nahe. Die Details zu den Lagen und ihrem Geschmack stehen weiter oben im Abschnitt zum Weingut Dr. Crusius.

Wie schmeckt ein Riesling von der Nahe?

Es gibt nicht den einen Nahe-Riesling, und genau das ist der Punkt. Die Bodenvielfalt sorgt dafür, dass Weine aus wenigen hundert Metern Entfernung deutlich unterschiedlich schmecken können. Was sie eint, beschreiben Romana Echensperger und Rebecca Crusius übereinstimmend: eine klare, präzise Frucht, eher schlanker Körper, ein Rückgrat aus Säure und Mineralität und eine gewisse Eleganz. Im Vergleich weniger säurebetont als der Rheingau, weniger spontanvergärungsgeprägt als die Mosel, dafür vielfältiger in den Ausprägungen. Wer den Unterschied selbst schmecken will, verkostet am besten zwei Rieslinge desselben Betriebs aus verschiedenen Lagen nebeneinander.

Welche Weingüter an der Nahe sollte man besuchen?

Für einen ersten Überblick lohnt sich die Gebietsvinothek in Bad Kreuznach, wo rund fünfzig Betriebe mit je drei Weinen vertreten sind. Wer gezielt planen will, orientiert sich an den neun VDP-Betrieben und den regelmäßig ausgezeichneten Familienweingütern aus der Liste weiter oben. Wichtig: Die meisten Betriebe an der Nahe sind klein und familiengeführt, ein spontaner Besuch ohne Anmeldung führt oft ins Leere. Rebecca Crusius formuliert es im Video so: auf der Website nachschauen oder kurz durchrufen, dann klappt es.

Wann ist die beste Reisezeit für die Nahe?

September und Oktober sind die naheliegende Wahl, weil dann die Lese läuft und die Weinfeste stattfinden. Im Video wird der Lesebeginn für 2021 auf Mitte September geschätzt, das schwankt je nach Jahrgang. Wer es ruhiger mag, kommt im Mai und Juni: Die Weinberge sind grün, die Wanderwege sind frei, und in den Weingütern ist mehr Zeit für Gespräche als mitten in der Lese. Für den Rotenfels ist der Frühling reizvoll, weil dort seltene Pflanzen blühen. Beachte dabei, dass das Klettergebiet zum Schutz des Wanderfalken über weite Teile des Jahres gesperrt ist, gewandert werden darf aber ganzjährig.

Warum ist die Nahe weniger bekannt als Mosel oder Rheingau?

Das hat einen konkreten historischen Grund: Bis 1971 war die Nahe kein eigenständiges Anbaugebiet, ihr Wein wurde weitgehend als Rheinwein vermarktet, teils sogar mit Rheinmotiven auf dem Etikett. Erst seit gut fünfzig Jahren tritt die Region unter eigenem Namen auf. Dazu kommt die geringe Größe und die kleinteilige Betriebsstruktur. Für Reisende ist das eher ein Vorteil: weniger Andrang als an Mosel und Mittelrhein, bei vergleichbarer Weinqualität.

Wenn du dich für weitere deutsche Anbaugebiete interessierst, findest du bei uns eine Übersicht aller 13 Weinanbaugebiete in Deutschland mit Karte sowie unsere Geheimtipps für den Urlaub in deutschen Weinregionen. Und wenn dir die Nahe als kleines, unterschätztes Gebiet gefällt, ist unser Artikel zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut vermutlich auch etwas für dich.