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Chile – Weinkultur am Rande der Wüste

13. Januar 2020
 

Der Weinanbau in Chile ist weltweit einzigartig – nicht aufgrund besonderer Anbaubedingungen, sondern durch seine natürliche geografische Isolation.

Ähnlich wie im benachbarten südamerikanischen Argentinien, hat der Weinanbau in Chile seit der Kultivierung der ersten Weinreben im Jahre 1551 an Berühmtheit und Verbreitung extrem zugenommen. In nahezu allen chilenischen Gebieten, die klimatisch für den Weinanbau geeignet sind, wurden in den letzten hunderten Jahren nach und nach Weinreben angebaut. Allerdings war die Weinproduktion - wie auch in Argentinien - bis in die 60er Jahre eine industrielle Massenabfertigung, die zur Versorgung der Bevölkerung diente. Entsprechend kam sie einfach, billig und mit wenig Ansprüchen daher. Doch dies änderte sich schlagartig ab 1960, als nach Jahren der Überproduktion die Weinindustrie zusammenbrach und zur Schließung zahlreicher Kellereien und zum Abbau der Rebstockflächen führte.

Aufschwung zur reblausfreien Weinnation

Nach dieser Gesundschrumpfung und mit zunehmender Globalisierung des Weinmarktes fanden in den nächsten Jahrzehnten neue Techniken und ein neues Bewusstsein für Qualität und Einzigartigkeit Einzug in die Weinproduktion Chiles. Und einzigartig ist der Weinanbau in Chile auf jedem Fall. Denn aufgrund seiner geografischen Isolation durch den Pazifischen Ozean im Westen, die Atacamawüste im Norden, das wenig besiedelte Patagonien im Süden und die schneebedeckten Anden im Osten, hatte die zerstörerische Phylloxera-Reblaus keinen Zugang in Land gefunden. Was bedeutet dies genau? Im Gegensatz zu fast allen anderen Weinnationen der Welt, wachsen und gedeihen in Chile entsprechend noch Weinreben mit Originalwurzelwerk. Fast überall anders auf der Welt wurden nach der Reblaus-Katastrophe (welche allein in Europa ca. 70 % der Weinanbauflächen zerstört hat), die neuen Rebstöcke auf amerikanisches Wurzelwerk aufgeproft, um sie so beständig gegenüber den Schädlingen zu machen.
 
 
 

Weinanbau in Chile – wo herrschen die besten Bedingungen?

Chile ist mit über 5000 km das „längste Land“ der Welt (Nord-Südausdehnung). Für den Weinanbau in Chile bedeutet dies nur bedingt einen Vorteil, denn nur zwischen dem 27. und 39. Breitengrad sind die klimatischen Bedingungen für den Weinanbau geeignet. Mit anderen Worten: Ein Großteil des Landes ist nicht für den Weinanbau nutzbar. Trotzdem ist die Nord-Südausdehnung im europäischen Maßstab gigantisch. Insgesamt 1300 km Länge misst der schmale Streifen, auf dem sich die Weinanbauregionen angesiedelt haben. Die meisten Weinanbauregionen und Premiumweine findet man allerdings im Zentraltal südlich der Hauptstadt Santiago. Mehr zu den Weinregionen Chiles erfährst du in unserem nächsten Beitrag.

Heute werden in Chile insgesamt ca. 114 500 Hektar Rebflächen bewirtschaftet, die ungefähr 8,5 Millionen Hektoliter Wein liefern (im Vergleich: Deutschland hat in 2019 ca. 102 000 Hektar bewirtschaftet und 9,04 Millionen Hektoliter produziert).
 
 

Weinanbau in Chile – Rebsorten

Typisch für den chilenischen Wein sind vor allem rote Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, País, Merlot, Syrah und insbesondere Carménère. Die Carménère Traube ist für Chile wie der Malbec für Argentinien – eine der wichtigsten Rebsorten im Spektrum des chilenischen Weinanbaus. Sie ist eine ursprünglich französische Rebsorte aus Bordeaux, die allerdings dort durch den Reblausbefall gänzlich ausgestorben ist. International ist die Carménère nur noch selten auffindbar. Daneben findet man in Chile ebenfalls häufig die Rebsorte Carignan, eine ursprünglich spanische Traube. Sie ist Tannin- und säurereich und gilt aufgrund ihres zurückhaltenden Aromaprofils eher als guter Verschnittpartner für andere Rebsorten. Aber das mehr in dieser Traube steckt, zeigen die chilenischen Winzer. Sie haben seit einiger Zeit das Potenzial erkannt und keltern zunehmend sortenreine Carignans mit kräftiger Struktur und hoher Lagerbeständigkeit.

Wenn es um den Geschmack geht, weisen die chilenischen Rotweine insgesamt eher ein fruchtiges und würziges Aroma auf, während die Tannine verhältnismäßig gering sind. Auch die Weißweine spielen im Weinanbau in Chile eine zunehmend wichtige Rolle. Hier dominieren meist Chardonnay und Sauvignon Blanc (die meist sehr fruchtig und frisch ausgebaut sind).

Fazit

Wer guten chilenischen Wein probieren möchte, sollte am besten eine Reise nach Chile planen, denn wie in bei den meisten produzierenden Weinländern, verlassen die guten Weine nur selten die Landesgrenze. Welche Weinregionen sich lohnen und was es in Chile noch zu erleben gibt, erfahrt ihr in unserem nächsten Artikel.
 
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