Vom Öko-Außenseiter zum Vorreiter-Weingut in Apulien
Nach unserem Aufenthalt in Matera, der Kulturhauptstadt 2019, (hier zu unserem Artikel: Roadtrip durch Süditalien) haben wir das 50 km weiter südlich gelegene Weingut Perrini besucht, welches bereits zur italienischen Region Apulien gehört und in der Region vor allem für seinen organischen Anbau bekannt ist. Perrini verzichtet auf Pestizide und setzt bei der Weinherstellung auf Spontangärung mit natürlichen Hefen aus dem Weinberg, anstelle der Verwendung von Zuchthefen. Die Reben dürfen relativ wild wachsen und die Kräuter und das Unkraut zwischen den Reben werden weitestgehend belassen und tragen so zur Gesundheit des Weinbergs bei.
Der Start unseres Besuchs verlief ein wenig holprig, da wir die zwischen den angrenzenden Olivenbaumfeldern versteckte (Feld-)Zufahrt zum Weingut nicht als Straße erkannt haben und uns so gleich mehrere Male verfahren haben. Am Tor angekommen, war auch noch die Klingel kaputt, so dass wir zusammen mit dem DHL-Fahrer warten mussten, bis man uns nach einem Anruf im Weingut das Tor öffnete.Begrüßt wurden wir anschließend von Mariavita, die für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit für das Perrini Weingut zuständig ist und eine Ausbildung als Sommelier genossen hat. Sie war unser Tourguide und hat uns über mehrere Stunden durch die Weinberge, die Zitrusplantagen, den Weinkeller und das angeschlossene Wildgehege geführt. Interessant ist, dass das Weingut nicht nur Wein sondern auch Orangenmarmelade und Olivenöl herstellt und verkauft und eine eigene kleine Farm mit Schafen und Schweinen besitzt. Die Familie Perrini betreibt schon seit Anfang der 90er Jahre Organic Farming und lebt auch privat nach diesen Prinzipien. Man kann durchaus sagen, dass Perrini gewissermaßen Vorreiter für die bio-organische Weinherstellung ist, noch lange bevor es vor ein paar Jahren Mainstream in der Landwirtschaft und auch im Weinanbau wurde.
Wie wir später erfahren haben, ist es mittlerweile Trend in Italien organischen Wein zu produzieren, denn viele kleinere Weingüter wollen sich von den Platzhirschen abgrenzen und die Kunden sind – ähnlich wie beim Bio-Hype – bereit mehr für einen solchen Wein zu bezahlen.Fazit:
Die Tour und das Tasting waren sehr angenehm und voller interessanter Fakten. Mariavita konnte uns viel über die Weine von Perrini, die Weinkultultur in Apulien und den organischen Anbau von Wein, Oliven und Orangen erzählen. Leider konnten wir keinen Blick in die Produktionshallen werfen, da gerade Erntezeit war und die Anlagen auf Hochtouren liefen.Die Weine haben uns insgesamt sehr gut gefallen, sie sind modern, fruchtig und trocken, mit milden Säuren. Die Rotweine sind überraschend tanninarm, werden sie doch aus der Negromaro-Traube hergestellt, die eher als tanninreich gilt. Laut Perrini liegt das am besonderen Klima, der Küstennähe und den Herstellungsverfahren. Lediglich der Einsatz von Schwefel könnte noch etwas reduziert werden. Auf Holzfassaromen wird komplett verzichtet, damit der Wein nicht zu schwer wird und die Primäraromen im Vordergrund stehen.
- Seit mehreren Generationen ein familiengeführtes Weingut in Apulien, Castellaneta, ca. 50km von Matera entfernt
- Produktionskapazität: ca. 500.000 Flaschen pro Jahr
- Anbaufläche: 50 ha
- Bietet Führungen und Weinverkostung auf Nachfrage
- Angebaute Rebsorten: Primitivo, Negroamaro, Fiano, Verdeca, Malvasia, Moscato
- Besonderheiten: Organischer Anbau, Spontangärung, Lage zwischen Meer und Gebirge, Südhang, von 30-300 Meter über Meeresspiegel.
- Umfangreiche Informationen auf Italienisch, Französisch und Englisch auf der Internetseite verfügbar: www.perrini.it










