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Facetten im Weinbau – von ökologisch bis biodynamisch

1. September 2019
 

Öko-Weine gehören bei vielen Händlern und sogar Discountern mittlerweile zum Standardsortiment. Was macht den Weinbau ökologisch? Und wie grenzt er sich zum konventionellen und biodynamischen Anbau ab?

Ökologischer Weinbau vs. konventioneller Anbau

Zentrales Unterscheidungskriterium zwischen ökologischem und konventionellem Weinbau ist der Umgang mit dem Weinberg. Der ökologische Ansatz setzt auf die natürliche Entfaltung der Reben. Mittel, welche die Natur oder den Menschen schaden könnten, werden prinzipiell abgelehnt. Entsprechend kommen sowohl beim Düngen als auch beim Schädlingsschutz ausschließlich organische Hilfsmittel zum Einsatz. Dagegen werden beim konventionellen Weinbau für den Pflanzenschutz (Schutz vor Insekten und Pilzbefällen) auch chemische Spritzmittel und Dünger eingesetzt.

Daneben setzt man im ökologischen Weinbau auf eine gesunde und fruchtbare Bodenkultur, d.h. man gibt dem Boden die Nährstoffe, die von den Reben aufgenommen wurden, durch eine vielseitige Begrünung des Weinbergs und mit ausschließlich natürlichen Düngemitteln wieder zurück. Man schafft gewissermaßen ein kleines eigenständiges Ökosystem, welches sich selbst reguliert. Als Laie kann man die Weinberge der Öko-Winzer schon von Weitem erkennen, denn anders als beim konventionellen Anbau, bei denen die Weinberge akkurat beschnitten und von Unkraut befreit sind, sind die ökologisch angelegten Weinberge von Pflanzen und Unkräutern wild durchzogen.
 
 
 
Beim ökologischen Weinbau wird viel Wert auf die Qualität des Lesegutes gelegt, denn auch im späteren Ausbau im Weinkeller werden kaum Behandlungsmittel verwendet. Man könnte auch sagen, dass man eher vorsorgt (im Weinberg) als später nachjustiert (im Keller bspw. mit mehr Schwefel). Die Weine sind meist sortenrein und reintönig und spiegeln das wider, was die Natur der Region ihnen bietet. Trotz aller Natürlichkeit müssen ökologisch erzeugte Weine auch geschwefelt werden. Schwefel ist für die Haltbarkeit der Weine nahezu unverzichtbar. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass beim Öko Weinbau nur sehr wenig Schwefel verwendet wird, weil das Lesegut meist besser ist (gesündere Trauben) und dadurch schon von vorneherein weniger Angriffsfläche für unerwünschte Entwicklungen gibt.

In Deutschland gibt es rund 700 Betriebe, die auf insgesamt 8.000 ha Rebfläche Wein anbauen (entspricht etwa 8 % der gesamten bestockten deutschen Rebfläche). Ökowinzer sind in Verbände wie Ecovin, Naturland, Bioland, Demeter und Gäa zusammengeschlossen.
 

Ökologischer Weinbau vs. biodynamischer Anbau

Hört sich der ökologische Weinbau im Zeitalter einer immer stärkeren Biobewegung wenig spektakulär an, dann ist der biodynamische Weinbau umso außergewöhnlicher. Bei dieser Sonderform des ökologischen Weinbaus soll das Gleichgewicht der natürlichen Ressourcen und Lebensprozesse im Weinberg zusätzlich durch irdische und kosmische Gesichtspunkte gefördert werden. Der Kerngedanke geht davon aus, dass die Krankheit einer Pflanze das Zeichen eines natürlich gestörten Gleichgewichtes ist.

So richten sich die verschiedenen Arbeiten im Weinberg, wie Düngen und Rebschnitt, nach einem Aussaatkalender oder dem Mondkalender. Insbesondere die Mondphasen haben eine spezielle Bedeutung in der Biodynamik-Lehre. Daneben kommen zusätzlich zu den Methoden des biologischen Weinbaus noch weitere spezielle (natürliche) Mittel zum Einsatz. Unter anderem werden Rinderhorn, Kuhdung, Quarzstaub und verschiedene Kräuter und Kräuteraufgüsse für ein natürlich harmonisches Gleichgewicht im Weinberg verwendet. Bei all diesen Arbeiten (Aussaat, Düngung, Rebschnitt, Ernte) werden immer die kosmischen Kräfte berücksichtig. Zusätzlich wird der Boden einmal im Jahr gepflügt, meist mit einem althergebrachten Pferdegespann.

Neben diesen beiden Formen des Weinbaus gibt es noch den „kontrolliert umweltschonenden Weinbau“, welcher als eine Art Vorstufe zum ökologischen Weinbau angesehen werden kann. Die Mitglieder und Anhänger unterwerfen sich freiwillig strengeren Umweltnormen und verfolgen das Ziel, den Weinbau noch naturnäher zu gestalten.
 

Beispiele für Öko-Winzer
 

Beispiele für Biodynamik-Winzer
 
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